Anthroposophie
Eine Pädagogik, die den Menschen als ein aus Leib, Seele und Geist bestehendes Wesen begreift, folgt in ihren Intentionen keinem wie auch immer gearteten Menschenbild; sie verlangt vielmehr die fortdauernde Bemühung um eine lebendige Menschenerkenntnis. Diese Aufgabe beginnt zunächst in der Pflege, Übung und schließlich einer Erweiterung der menschlichen Beobachtungsmöglichkeiten; es geht darum, die Erscheinungen der Natur nicht nur als Tatsachenwelt zu kennen, sondern auch zu verstehen und in ihren inneren Bildungsgesetzen zu erschließen.
Rudolf Steiner strebte in seinem Lebenswerk die Betrachtung des menschlichen Wesens in seiner geistigen Individualität an. Dabei stellte er einen Zusammenhang zwischen der Evolution des Menschen und der Weltentwicklung nach naturwissenschaftlich exakter Methode her. Den inneren Kern seiner Arbeit bildete die „Bewusstheit des Menschseins” (Anthroposophie).
Eherne Wahrheiten oder starre Dogmen sind genau das Gegenteil von dem, was Steiner beabsichtigte. Vielmehr wendete er sich von jedem Bekenntnisartigen ab und lenkte seinen Blick auf die Aufmerksamkeitskräfte des Menschen. Mit der Gründung der Waldorfschule brachte Steiner seine geisteswissenschaftlich-pädagogischen Erfahrungen zur Anwendung. Die Erfolge der Waldorfschulen sind seinem Impuls für eine Erweiterung des Erkenntnislebens zu verdanken.

