Zum Berufsbild des Oberstufenlehrers in der Waldorfschule
Das Verstehen der Lebenswirklichkeit wird im Jugendalter zu einer treibenden Erkenntniskraft und sichert gleichzeitig die innere Orientierung des Menschen in der Welt. Das Lernen wird zum Vermittler und Gestalter von Evidenzerlebnissen. Den Schülern dieses Erleben in der Begegnung mit dem Lehrer und den Unterrichtsinhalten zu ermöglichen, ist die zentrale Aufgabe der Oberstufe. Im Jugendlichen wird die Fähigkeit angeregt, durch aktive Selbstwirksamkeit den eigenen Horizont bereichern zu wollen. Diese Bestrebung fördert die Urteilssensibilität und -sicherheit des Heranwachsenden. Erkenntnis und Erkennenlernen sind somit nicht voneinander zu trennen, der Mensch wird selbst zur Methode.
Zum Studium
Die erfahrbare Einsicht in das Ganze von Natur und Kultur wird demnach vom Mitgehen des Lehrers mit dem Auffassungsvermögen der Schüler entscheidend beeinflusst und kann während der Lehrerausbildung im spannungsreichen Ineinandergreifen von Wahrnehmen und Denken einsehbar gemacht werden. Der Kunst kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Das Üben in verschiedenen künstlerischen Fächern (Sprachgestaltung, Eurythmie, Musik, Malen, Plastizieren) sensibilisiert, vertieft Erfahrungen und eröffnet persönliche Entwicklungsmöglichkeiten. Thematische Schwerpunkte des Studiums bilden die Inhalte und Methoden der Waldorfpädagogik. Sie werden durch eine themenübergreifend-wissenschaftliche Beschäftigung mit der Anthropologie und Psychologie des Kindes- und des Jugendlichenalters vermittelt. Ferner wird das geistige Verständnis des Menschen (Ich/Selbst) in seiner Relevanz für die pädagogische Diagnostik zugänglich gemacht. Die Erziehungsfragen der Gegenwart werden in einen bereichsübergreifenden Diskurs gestellt.
Der nicht konsekutive Masterstudiengang „Oberstufenlehrerin und -lehrer in der Waldorfschule” ermöglicht durch fachpädagogische Schwerpunktsetzung wissenschaftlich ausgebildeten Bewerbern die pädagogische Spezialisierung für den Fachunterricht in den Klassenstufen 9-13. Ein Bachelorstudium in Waldorfpädagogik wird nicht vorausgesetzt. Die Eingangsvoraussetzung ist grundsätzlich eine Fachqualifikation auf Masterniveau, jedoch mindestens eine Fachqualifikation mit der Gewichtung von 210 Credits (nach dem European-Credit-Transfer-System ECTS). Die Fachqualifikation muss in einem unterrichtsrelevanten Gebiet erreicht worden sein und bestimmt bei Aufnahme des Studiengangs „Oberstufenlehrer in der Waldorfschule” die Ausrichtung des Studiums hinsichtlich der Wahlfächer (Biologie, Geografie, Chemie, Geschichte, Deutsch, Mathematik, Physik, Englisch, Französisch, Russisch, Sport, Musik und Bildende Kunst).

