Gründung der ersten Waldorfschule


Emil Molt, Generaldirektor der Stuttgarter Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik bat Dr. Rudolf Steiner im Jahr 1919, an der Gründung einer Schule für seine Arbeiterkinder mitzuwirken. Steiner war zu dieser Zeit ein weithin bekannter Vortragsredner. Seine anthroposophische Wissenschaft, eine Erkenntni­sweise mit dem Anspruch, den Menschen als leibliches, seelisches und geistiges Wesen exakt zu beschreiben, hatte er in einer Vielzahl von Schriften dargelegt.

Rudolf Steiner

Rudolf Steiner (* 27.2.1861 Kraljevec im heutigen Kroatien, † 30.3.1925 Dornach bei Basel) erlangte eine differenzierte wissenschaftliche Ausbildung auf dem modernsten Stand seiner Zeit: Philosophie, Biologie, Chemie und Physik waren die Fachgebiete seines Studiums an der Technischen Hochschule in Wien.
Der 21-jährige Rudolf Steiner wurde als fachkundiger Experte mit der Heraus­gabe von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften beauftragt. Im Jahr 1891 erfolgte die Promotion bei H. von Stein in Rostock mit einer Arbeit über „Die Grundfragen der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichtes Wissenschaftslehre” - 1892 erschienen unter dem Titel „Wahrheit und Wissenschaft”.
Als Philosoph war Steiner bestrebt, die Transzendentalphilosophie Kants und Fichtes durch eine verstärkte Beobachtung des Denkens zu überwinden. In seinem philosophischen Hauptwerk von 1894 mit dem Titel „Die Philosophie der Freiheit” entwirft Steiner eine grundlegende Anthropologie der Welt­begegnung, die von der Denktätigkeit der menschlichen Individualität ihren Ausgang nimmt. Steiner wies selbst immer wieder auf die zentrale Funktion dieser Schrift bezüglich der von ihm entwickelten „Anthroposophie” hin (grch. „anthropos” Mensch, „sophia” Weisheit).
Steiner wirkte als Hauslehrer und Erzieher in Wien (1884-1890), am Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar (1890-1897), als Herausgeber literarischer Zeitschriften und als Lehrer (1899-1904). Von 1900 bis zu seinem Leben­sende 1925 war er zunehmend als Autor und Vortragsredner tätig. Daneben begannen seine Forschungsergebnisse in verschiedenen Lebensbereichen praktische Relevanz zu entwickeln. Neben der Begründung der Waldorf­pädagogik als einer Erziehungskunst sind in diesem Zusammenhang die Eurythmie, die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die anthroposophisch erweiterte Medizin und insbesondere Erneuerungsimpulse auf allen Gebieten der Kunst (Sprachgestaltung, Musik, Bildende Kunst, Architektur) zu nennen.
Ab 1914 wirkte Steiner von Dornach aus. Dort bildet heute das von ihm entworfene Goetheanum ein Zentrum der Geisteswissenschaft.