Ringvorlseung: Sprache im digitalen Zeitalter

„Geistige Präsenz und gegenseitige Wahrnehmung“ hieß der Vortrag von Dr. Martin Basfeld von der Akademie für Waldorfpädagogik in Mannheim. Und es stimmt: die Fähigkeit des wahrnehmenden Verstehens muss gepflegt werden, sie ist einfach wirklich zu schön…

Mit diesem Artikel kommen wir vielleicht einem Wunsch nach: Wer in einer so kompakten Vorlesung war wie dieser, sich intensiv darauf einließ und sich also bemühte, sie wahrnehmend zu verstehen, hat hinterher das Bedürfnis, sie noch einmal rekapitulieren zu können. Am besten lesend. Dann funktioniert das mit dem selber denken doch einfach besser als beim Zuschauen. Haben Studien bewiesen. Deswegen gibt es diesen Teil der Ringvorlesung mit Dr. Martin Basfeld auch nicht auf unserem You Tube Kanal. Denn dann klappt das mit dem Dialog schon gleich gar nicht.

Basfeld unterschied zwischen dem Dialog und dem Diskurs. „Dialog wird heute inflationär verwendet“, meinte er. Oder einfach schlicht in Unkennnis der Sachlage? Selbst Führungsstile sind heutzutage ja gerne „dialogisch“. Dabei ist hier wohl eher der Diskurs gemeint: im Sinne der Römer meint dieser, dass man von verschiedenen Standpunkten aus betrachtend gemeinsam um eine Sache kreist. Man ergänzt sich.

Für alle, die leidergottes nicht von Angesicht zu Angesicht dabei sein konnten – Dialog wird hier ganz im griechischen Sinne verwendet. Dem Rudolf Steiner in seiner Anthroposophie folgte. Dahinter steht ein Menschenbild, denn Palton und Sokrates gingen davon aus, dass hinter dem Wort, dem „logos“, der Geist durchscheine. Was bedeutet: Im Gespräch mit meinem Gegenüber werden wir wach für eine neue Ebene, wir nehmen etwas Drittes wahr. Das Entscheidende ist hierbei: Das Ganze gelingt nur bei einer unmittelbaren Wahrnehmung. Nicht mit der medialen. Von der digitalen mal ganz zu schweigen…

Der Appell von Basfeld war deutlich: Geistige Präsenz möchte gepflegt und geschult werden. Sie macht uns Menschen aus. Das Bewußtsein des eigenen Ichs wächst nur an einem realen Gegenüber. Der Mensch wird am Du zum Ich, so formulierte es Martin Buber.

Die Früchte des wahrnehmenden Verstehens nach eineinhalb kompakten Stunden sind schließlich mehr Fragen als erinnernde Antworten. Deswegen sind wir sehr froh, Ihnen hier mitteilen zu können: Die gesamte Vorlesung von Dr. Martin Basfeld gibt es zwar nicht auf YouTube, aber bald in gedruckter Form auf Papier. Die Zeitschrift „Medizinisch Pädagogische Konferenz“ wird unserer Ringvorlesungsreihe „ Sprache im digitalen Zeitalter“ eine eigene Ausgabe im neuen Jahr widmen.

 

Die kommende Ringvorlesung findet statt am
Donnerstag, 20.2.2020 mit dem Thema:
„Sprechend lebt der Mensch den Geist“.
Referentin ist Ulrike Hans,
Sprachgestalterin an der Freien Hochschule Stuttgart