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Den Beruf der Lehrerin noch einmal völlig neu ergreifen

Waldorflehrer werden

"Heute arbeite ich so, wie ich mir das immer gewünscht habe", sagt Sylvia Papadopoulos im Interview mit uns. Von Haus aus ist sie Grund- und Hauptschullehrerin. Der Wechsel an die Waldorfschule war ein kompletter Neustart für sie.

Sie haben Ihren Master als Klassenlehrerin für Waldorfschulen postgradual an der Freien Hochschule Stuttgart gemacht. Inzwischen unterrichten Sie die zweite Klasse an der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe hier in Stuttgart. Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, einen beruflichen Neuanfang zu wagen?

Zehn Jahre lang war ich Mutter von drei Kindern an der Waldorfschule. Ich konnte beobachten, wie dort alles anders gemacht wurde. Das hat mich immer mehr begeistert und überzeugt. Ich wollte schließlich auch so unterrichten. Natürlich konnte ich manches an der staatlichen Schule auch umsetzen, aber es war mühsam. Ich musste es dort zum Teil erst neu erfinden für dieses andere System, in dem für mich viel Unverbindlichkeit lebte. Als Lehrerin war ich letztlich ersetz- und austauschbar.

Wo liegen denn die Hauptunterschiede im Schulalltag?

An der Waldorfschule erlebe ich, dass das Kind wirklich im Mittelpunkt steht. Und nicht alles mögliche andere. Ich genieße auch die Kontinuität der Gemeinschaft mit meiner Klasse – wir werden acht Jahre lang zusammen bleiben. Immer morgens in den ersten beiden Stunden. Nicht mal um neun und mal um 12 und dann wieder einen Tag gar nicht. Dieser Rhythmus tut mir gut – und ich erlebe, dass er auch den Kindern gut tut.
Dazu kommt die intensive Elternarbeit. Es kann wirklich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. So entsteht das goldene Dreieck aus Kind, Eltern und Lehrerin, das eine wichtige Rolle spielt in de Waldorfpädagogik.

Welche Grundzüge der Waldorfpädagogik sind Ihnen ein besonderes Anliegen in diesen ersten Schuljahren?

Man geht nicht nur über den Kopf an die Kinder, sondern sehr viel über Bilder. Sie wirken für sich – da hat noch kein Erwachsener gesagt, das war richtig oder falsch, das hast du gut oder schlecht gemacht. Gerade das Geschichtenerzählen ist Nahrung für die Seele. Ich merke, wie die Kinder mit gehen, was für eine Kraft in allen Bildern liegt. Auch beim Erlernen der Buchstaben.
Vieles haben wir ja theoretisch im Studium besprochen, jetzt kann ich es umsetzen und selber erleben. Ich habe wirklich mein gesamtes Handwerk neu gelernt!
Die Selbsterziehung ist dabei das A und O als Lehrerin – das habe ich im Studium deutlich vermittelt bekommen. Denn es geht um Vorleben und Nachahmung. Man bekommt ein Weltwissen. Man bekommt Vertrauen in die Kinder. Ich muss in vielen Bereichen keinen künstlichen Unterricht inszenieren. Das Lernen passiert viel über Sprüche, Gedichte, Gespräche. Über das konkrete Tun. Und so, wie ich jetzt unterrichte, fühlt es sich gut und richtig an. Ich freue mich schon sehr darauf, was ich noch alles lernen darf!