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Der Lehrstuhl im Überblick

Der Lehrstuhl für Gesundheitsforschung im Kindes- und Jugendalter ist eine eigenständige Forschungs- und Lehreinrichtung der Freien Hochschule Stuttgart, er kooperiert eng mit Universitäten wie u.a. der Universität Tübingen, anderen Forschungseinrichtungen, Schulen und öffentlichen Behörden wie dem Gesundheitsamt in Stuttgart. Im Zentrum steht die Frage, wie sich die biologischen, psychischen und sozialen Dimensionen der Gesundheitsentwicklung junger Menschen wechselseitig bedingen und wie pädagogische Arbeit sie positiv beeinflussen kann.

Das Besondere: Der Lehrstuhl verbindet zwei Disziplinen, die traditionell getrennt gelehrt, beforscht und praktiziert werden – Medizin und Pädagogik. Er versteht beide als aufeinander bezogene Perspektiven auf ein gemeinsames Anliegen: die gesunde Entwicklung des heranwachsenden Menschen. Aus dieser Verbindung entsteht ein Forschungsansatz von genuiner Breite, der medizinisches Wissen, pädagogische Praxis und gesellschaftliche Verantwortung zusammenführt.

Warum dieser Lehrstuhl?

Trotz eines leistungsfähigen Gesundheitssystems verschlechtert sich die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen in vielen Bereichen. U.a. Bewegungsmangel, veränderte Ernährungs- und Schlafgewohnheiten, ein wachsender Anteil an Bildschirmzeit sowie eine Zunahme psychischer Belastungen prägen das Aufwachsen zunehmend.

Zugleich sind viele der gesundheitlich wie ökonomisch bedeutsamsten Erkrankungen des Erwachsenenalters – die sogenannten nicht übertragbaren Erkrankungen (noncommunicable diseases) – eng mit dem Lebensstil verbunden und werden in Kindheit und Jugend grundgelegt. Nach Einschätzung internationaler Gesundheitsorganisationen entfällt auf sie ein Großteil der Kosten im Gesundheitswesen der industrialisierten Länder. Die Weichen für lebenslange Gesundheit werden früh gestellt – und sie werden in erheblichem Maße auch dort gestellt, wo junge Menschen einen Großteil ihres Tages verbringen: in Kindergarten und Schule.

Zielsetzung

Der Lehrstuhl verfolgt vier eng verbundene Ziele:

  • Disziplinen verbinden. Er setzt die notwendige Interaktion zwischen Medizin und Pädagogik in Forschung und Lehre systematisch um.

  • Prävention erforschen. Er erforscht gesundheitspräventive und salutogene Maßnahmen im Kindes- und Jugendalter mit belastbaren empirischen Verfahren.

  • Praxis evaluieren. Er evaluiert pädagogische Projekte im Hinblick auf ihre Gesundheitsrelevanz und -wirksamkeit, um sie für die schulische Praxis fruchtbar zu machen.

  • Lehre weiterentwickeln. Er entwickelt didaktische Methoden weiter – zunächst in der Lehrer:innenbildung, perspektivisch auch im Dialog mit medizinischen Ausbildungsgängen.

Forschungsschwerpunkte

In einer ersten Phase konzentriert sich der Lehrstuhl auf drei Themenfelder:

  • Schlaf und psychische Gesundheit. Schlafhygiene und Schlafstörungen, Zusammenhänge mit Mediennutzung sowie mit Angst- und depressiven Symptomen.

  • Kardiopulmonale Gesundheit und Stressregulation. Stressregulation und autonomes Nervensystem, akute und chronische Atemwegserkrankungen.

  • Ernährung und Bewegung. Adipositas, Essstörungen sowie die Folgen von Bewegungsmangel.

Netzwerk und Kooperationen

Anspruchsvolle Forschung an der Schnittstelle von Medizin und Pädagogik gelingt nur im Verbund. Der Lehrstuhl baut daher ein kompetentes, breit aufgestelltes Kooperationsnetzwerk auf – mit Universitäten und Forschungsinstituten, mit Kliniken und Gesundheitsämtern sowie mit staatlichen und privaten Schulen. Aus seiner Verortung in Baden-Württemberg ergibt sich dabei ein besonderer Standortvorteil, an dem sich medizinische und pädagogische Expertise wirksam verbinden lassen.

Personen

Der Lehrstuhl vereint medizinische und sozialpädiatrische Expertise in seiner Leitung.

Prof. Dr. med. Jan Vagedes M.A.

Prof. Dr. med. Jan Vagedes ist Mediziner, langjährig erfahrener Kinder- und Jugendarzt mit integrativ-medizinischer und pädiatrischer Forschungsausrichtung. Seine Arbeit verbindet klinische Forschung mit Fragen der kindlichen Entwicklung; er ist u. a. Lehrbeauftragter der Universität Tübingen, Wissenschaftlicher Leiter des ARCIM Institute (Academic Research in Complementary and Integrative Medicine), Leitender Arzt an der Filderklinik (Bereich Kinderendokrinologie und -diabetologie), Vorstandsvorsitzender des Medizinischen Seminars Bad Boll und als Wissenschaftler international vernetzt.

Prof. Dr. med. Andreas Oberle

Prof. Dr. med. Andreas Oberle bringt umfassende pädiatrische, insbesondere sozialpädiatrische Expertise ein; er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie, stellvertretender Vorsitzende des Bündnisses für Kinder- und Jugendgesundheit und war bis Juni 2026 Ärztlicher Direktor des Sozialpädiatrischen Zentrums am Olgahospital in Stuttgart. Prof. Oberle ist mit den Sozialpädiatrischen Zentren in der Region und überregional verbunden und bringt ein weitreichendes Netzwerk durch seine langjährige berufspolitische Tätigkeit mit.

Iris Haaga-Stark

Referentin der Lehrstuhlleitung

Iris Haaga-Stark ist gelernte Bankfachwirtin, psychologische Beraterin sowie Achtsamkeits- und Hypnosecoachin. Seit über 25 Jahren ist sie im Gesundheitswesen in leitenden Assistenz- und Projektfunktionen sowie freiberuflich als Coachin tätig. Am Lehrstuhl unterstützt sie die Lehrstuhlleitung in organisatorischen und strategischen Fragen: Sie wirkt an der Entwicklung langfristiger Forschungsstrategien mit, bereitet Entscheidungsgrundlagen und Konzeptpapiere vor und koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Forschungspartnern und Netzwerken.

Dr. Carolyn Finck Barboza

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Carolyn Finck Barboza ist Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl. Sie studierte Psychologie an der Universidad de los Andes in Bogotá und promovierte an der Universität Leipzig in Psychologie und Medizinischer Soziologie (Dr. rer. med.). Ihre Schwerpunkte liegen in der Gesundheitspsychologie, der Lebensqualitätsforschung sowie der Entwicklung und Validierung von Fragebogenverfahren; sie hat mehr als 60 Beiträge in international referierten Fachzeitschriften veröffentlicht. In die Forschungsgruppe bringt sie die Expertise ein, das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen mit wissenschaftlich geprüften Instrumenten zu erfassen.

Dr. Monica Perez

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Monica Perez ist Kriminologin (Ph.D., Universität Melbourne) mit einem akademischen Hintergrund in Psychologie und Geschichte. Sie verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der qualitativen Forschung, einschließlich Feldforschung an Schulen, Universitäten, Familiengerichten und im öffentlichen Raum. Zu ihren Methoden zählen Interviews, Fokusgruppen und ethnografische Beobachtung, die sie in die Forschung des Lehrstuhls zu Kindern und Jugendlichen einbringt. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Prävention von sowie dem Umgang mit intimer und sexueller Gewalt. Zudem verfügt sie über zehn Jahre Erfahrung in der Lehre von Forschungsmethoden auf universitärem Niveau.